Feier­stunde am Mahn­mal in Itze­hoe

Neben den Worten Michael Legbands, Organi­sator und Modera­tor der Feier­stunde, be­ein­druckte und bewegte uns alle be­sonders die Rede der Kin­der des Holo­caust-­Über­lebenden, Katharina und Markus Tre­bitsch. Markus Tre­bitsch er­klärte unter Tränen, dass er sich am meis­ten über die Beteili­gung der Schülerin­nen und Schüler an der Gedenk­feier freue und dass das Er­reichen der Ju­gend das obers­te Ziel seines Vaters ge­wesen sei. Er be­dankte sich dafür bei den an­wesenden Schü­lerinnen und Schülern.
 
 
Einen Tag zuvor hatten wir das Glück, Michael Leg­band für einen Vor­trag in der Q2 ge­winnen zu können.
 
„Warum gerade Itzehoe?“ Die ab­solut be­rechtigte Frage der Schü­lerin Malin bringt Michael Leg­band ein wenig zum Schmun­zeln. „Das war reiner Zufall“, ant­wortet der Kieler Journa­list und Buch­autor. Der in Buda­pest ge­borene Gyula Tre­bitsch sei nach seiner Be­freiung am 2. Mai 1945 aus dem Kon­zen­trations­lager Wöbbelin von einem bri­tischen Sanitäts­trans­port ins Itzehoer Kran­ken­haus ver­legt wor­den. Nach seiner Ge­nesung habe es sich Tre­bitsch ne­ben seinem kul­turellen En­gage­ment in der Stör­stadt – er führte zwei Kinos – zur Auf­gabe ge­macht, an den Holo­caust und die Op­fer des NS-­Re­gimes zu erinnern.
In diesem Zusammenhang sei auch das Mahnmal ent­standen, welches als das erste in Deutsch­land und eines der erste in Nord­europa eine be­sondere Vor­reiter­rolle ein­nehme. Leg­band erzählt mit aner­ken­nendem Ton eine wei­tere Epi­sode seiner Be­gegnungen mit Gyula Trebitsch, welcher in Itzehoe zu Gast war. „Er hat mich so laut an­ge­schrien, so hatte seit der Bundes­wehr­zeit nie­mand mehr mit mir ge­sprochen. Er war fürchter­lich wütend.“  Grund für die Wut sei die Ver­drängung des Mahn­mals im Jahre 1957 in den abge­legenen Stadt­park ge­wesen, die schließ­lich 1995 rückgängig ge­macht wurde. „6.000.000 Menschen. Wie viele Ein­wohner hat Itzehoe? Ca. 30.000?“ Das wären also 200 Städte in der Größe Itzehoes.
„Sie können tausend Bücher über den Holocaust lesen. Erst wenn man mit je­mandem spricht, der seine eigene Ge­schichte er­zählt, dann versteht man diese Ge­schichte wirk­lich“, erläuterte Leg­band. Er habe diese Er­fahrung in einem sehr emo­tionalen Ge­spräch mit Trebitsch ge­macht, als dieser ihm von seiner Zeit im KZ und dem Tod seines Bruders er­zählt hatte.
 
Die Schülerinnen und Schüler konn­ten an diesem Diens­tag etwas von dieser Inten­sität mit­be­kommen. „Für eine gute Sache ste­he ich gern mal so früh auf“, sagte Leg­band mit einem Lächeln, der angab Journalist ge­worden zu sein, um nicht so früh auf­stehen zu müssen.
 
Vielen Dank, Herr Legband, für den sehr in­forma­tiven und emo­tionalen Vor­trag, die Dis­kussion und die Einblicke in Ihre eigene span­nende Lebens­ge­schichte.

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